Online Merker, Klaus Billand for "DAS RHEINGOLD" by Richard Wagner - Premiere of Lake Pancharevo
26 Jul 2020

Online Merker, Klaus Billand for "DAS RHEINGOLD" by Richard Wagner - Premiere of Lake Pancharevo

SOFIA/Pancharevo-See: Kurzbericht DAS RHEINGOLD open air – Premiere am 24. Juli 2020

 Es hat stattgefunden! Und das ausgerechnet in Corona-Zeiten! Und das ist schon sensationell an sich.

Nach langen Jahren der Überlegung hat Prof. Plamen Kartaloff nun seinen Plan verwirklicht, „Das Rheingold“ aus seiner hier schon oft besprochenen und so bemerkenswerten Inszenierung des „Ring des Nibelungen“ open air aufzuführen. In seiner schier unerschöpflichen und seinesgleichen suchenden Phantasie, wo und wie man solche Veranstaltungen durchführen kann, kam er auf den nahe bei Sofia gelegenen Pancharevo-See. Dort stellte ein gut meinender Sponsor ein passendes Grundstück zur Verfügung. Im Rahmen des „Festivals der Opernabende der Sofia Opera ‚Wasser-Musen‘“ hatte der Vorabend von Wagners Tetralogie unter der musikalischen Leitung von Erich Wächter gestern Abend um 21 Uhr Premiere. Es wurde ein voller Erfolg, lange und begeistert mit vielen Bravi beklatscht vom vollzählig erschienenen Publikum in Corona-hygienegerechter Sitzordnung.


Die „Orchesterbox“. Foto: Klaus Billand

Das Bühnenbild von Nikolay Panayotov, der extra aus Paris angereist war, wurde sehr effektvoll auf die See-Szenerie angepasst – die Burg Walhall (eine Gruppe von sechs konischen Trichtern, die Zinnen der Burg andeutend) ruhte mit immer wieder eindrucksvoller Bestrahlung auf dem gegenüberliegenden Seeufer. Zentrum des Geschehens bildete wieder der riesige mobile Ring, beleuchtet mit dem immer wieder bestechenden Multimedia Design von Vera Petrova, Georgi Hristov und diesmal auch noch Vladimir Grancharov, mit einigen Spezialeffekten von Electrick.me.


Foto: Svetoslav Nikolov

Man hörte die bekannte Sofioter „Rheingold“-Besetzung, die Kartaloff seit Beginn der Arbeit an der Tetralogie vor mittlerweile 10 Jahren (!) sehr gut an Wagner herangeführt hat. Unter den Protagonisten ragten heraus Martin Tsonev als Wotan, Daniel Ostretsov als Loge, Biser Georgiev als Alberich, Alexandrina Stoyanova-Andreeva als Flosshilde und Hrisimir Damyanov als Froh. Wächter wählte zügige Tempi und dirigierte dieses „Rheingold“ in nur etwas mehr als 2,5 Stunden. Das Orchester saß seitlich abseits der Bühne in einem regengeschützten Pavillon, sodass man auch bei Wasser von oben hätte spielen können – nicht umsonst nannte Kartaloff das Festival also wohl „Wasser-Musen“… Dafür, dass man mit der Übertragungstechnik hier im wahrsten Sinne des Wortes Pionierterrain betrat, war das Ergebnis auch akustisch gut, wenngleich der orchestrale Teil gelegentlich eine höhere Aussteuerung vertragen hätte, zumal die Sänger mit Mikroports sangen.


Die Rheintöchter. Foto: Klaus Billand

Zu den bombastischen, tönern und hohl wirkenden Klängen des Finales fährt Wotan im Kahn auf sein Walhall zu… Es war eine außerordentliche Erfahrung, dieser Abend am Pancharevo-See mit dem „Rheingold“ unter dem Abend- und Nachthimmel Bulgariens. So etwas kann man wohl nur in Sofia erleben…

(Detaillierter Bericht nach der 2. Aufführung heute Abend).

 

Klaus Billand aus Sofia